Ukrainekrieg – Wie lange noch? – Panketal
Es ist leider so, dass uns die deutsche Medienlandschaft mit vielen Fragen zum internationalen Geschehen sehr selektiv mit Informationen versorgt. Dass es viele weißen Flecken in der Berichterstattung gibt, betrifft nicht zuletzt den Krieg in der Ukraine und die Bewertung der Situation in Russland. Umso wichtiger sind Veranstaltungen, die dieser einseitigen Berichterstattung etwas entgegensetzen. Diese Erwartung hatten offenbar die Besucher des gut gefüllten Panketaler Ratssaales, die sich am 9. September zu einem vom „kommunalpolitischen forum Brandenburg“ veranstalteten Informations- und Diskussionsabend mit Kerstin Kaiser einfanden. Kerstin Kaiser erwies sich als ausgesprochen gute Kennerin dieses Landes, was die damalige Sowjetunion ebenso einschließt wie die Gegebenheiten im heutigen Russland. In Leningrad studiert, über sechs Jahre als Leiterin des Moskauer Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung tätig und in ihrer Arbeit im Rahmen des Petersburger Dialogs ist sie mit der politischen Lage und dem Leben der Bevölkerung in diesem Land bestens vertraut. Nach einem 45minütigen Vortrag schloss sich eine lebendige und zum Teil kontrovers geführte Diskussion an. Ihre von vielen Anwesenden offenbar geteilte Ansicht, dass der Krieg gegen die Ukraine zu verurteilen ist und – wie jeder Krieg – so schnell wie möglich beendet werden muss, beantwortet aber noch nicht all die Fragen über die Ursachen des Kriegsausbruches und warum der Weg zum Frieden aktuell so schwierig ist. Kriege werden nicht nur durch Lügen gemacht, sondern, wie täglich zu sehen, auch durch die mediale Begleitung beständig „am Kochen“ gehalten. Das Problem in Deutschland und in Westeuropa ist, dass es offenbar viele Kräfte gibt, die einen Krieg mit Russland in einigen Jahren für gewinnbar halten und bereit sind, das gesamte gesellschaftliche Leben dieser gefährlichen Logik unterzuordnen. Es ist ein sehr gefährlicher Pfad, der wirtschaftlich, sozialpolitisch wie militärisch eher in den Niedergang unseres Landes führt. Leider ist momentan der Widerstand gegen dieses Streben nach Kriegstüchtigkeit und die Indoktrination der Bevölkerung viel zu gering ausgeprägt. Die von den Herrschenden und ihren Medien vorgenommene Dämonisierung Putins und der berechtigten russischen Interessen zeigt bei Teilen der Bevölkerung durchaus Wirkung.
Kerstin Kaiser hat viele Detailinformationen über die Lage und die Haltung der Bevölkerung in Russland seit Kriegsbeginn vermittelt und auch einen Einblick in den Diskurs gegeben, der darüber durchaus auch in Russland stattfindet. Alle gegenwärtigen Konflikte in Russland, so ihre Überzeugung, haben immer noch zu tun mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem einstigen Weltimperium zum Ausgang des 20. Jahrhunderts. Verhandlungen zur Beendigung des Krieges werden dann erfolgreich sein, wenn es eine Bereitschaft zur Anerkennung der beiderseitigen Sicherheitsinteressen und langfristige Garantien für einen dauerhaften Frieden an der Grenze zu Russland geben wird.
Das war zweifellos ein anregender Abend mit viel Erkenntnisgewinn. Es liegt jedoch in der Ambivalenz und Komplexität der Sache, dass nach zweieinhalb Stunden Informationen und Dialog zweifellos viele neue Einblicke hinzugewonnen wurden, sich aber nahezu mit jeder beantworteten Frage, neue Themenfelder auftun, die einer tiefergehenden Klärung bedürfen. Bleiben wir also dran.


